Geduld ist schwer zu ertragen - und doch lohnt sie sich meistens

Gefragt nach der größten Schwäche, antworten sehr viele Menschen mit "Ungeduld".

Jeder kennt dieses Gefühl und wird es vermutlich als Schwäche auch eher verzeihen, doch das ist ein anderes Thema. Die eigentliche Frage ist, warum es uns so schwer fällt, geduldig zu sein und welche Anspruchshaltung hinter der Ungeduld steckt.

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Geduld ist nicht das Gegenteil von Ungeduld

Egal, um welche Angelegenheit es sich handelt; das Warten an der Supermarktkasse, das Eintreffen eines wichtigen Schreibens, die Rückmeldung auf eine Bewerbung oder das lange Verharren im Stau: Sich in Geduld zu üben, ist lästig und hinterlässt das Gefühl von Missachtung der eigenen Person durch andere. Empfunden wird das Warten als Zeitverschwendung.

Doch was ist, wenn ich das Wort Geduld nicht mit dem Gegenteil von Ungeduld gleichsetze - was seiner Bedeutung gewiss nicht gerecht wird -, sondern mit Beharrlichkeit oder Gelassenheit?

Erst jetzt wird der Wert von Geduld wirklich deutlich.

Allgemein gibt es hauptsächlich zwei Situationen, in denen Geduld gefordert ist.

Entweder ich verbinde einen Nutzen mit dem Ergebnis und kann den Prozess nicht beschleunigen (wie etwa die Bewerbung auf eine Arbeitsstelle oder das Warten auf den Erfolg eines Vorhabens) oder ich bin in einer Situation gefangen und kann schwerlich ausweichen (etwa wenn ich im Stau stehe oder in der Warteschleife am Telefon bin). Ersteres erfordert Beharrlichkeit, das letztere Gelassenheit.

Wenn zwei Prioritäten zusammengeführt werden

Zugrunde liegt der Gedanke, dass mein Rhythmus und meine Prioritäten sich nicht notwendigerweise mit denen der anderen decken. Warum sollten sie auch? Jeder verfolgt seine eigenen Ziele, die mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen versehen sind.

Werden zwei davon zusammengeführt, sind sie selten kongruent. Dies sollte ich anerkennen und Geduld als Beharrlichkeit verstehen, die mich so viel eher zum Ziel führt und dabei weniger Nerven kostet.

Zudem lässt sich die Zeit fast immer anderweitig nutzen, wenn ich erst akzeptiert habe, dass es hier momentan keine Möglichkeit gibt, in die Sache einzugreifen. Durch Geduld rückt das Warten in den Hintergrund. Umso größer die Freude, wenn das Problem gelöst ist. 

Handelt es sich gar um Naturgesetze, so ist jeglicher Ärger völlig sinnlos.

Leicht abstellen lässt er sich trotzdem nicht. Stehe ich im Stau, werde ich auch bei noch so großer Ungeduld nicht schneller vorankommen. Jedoch bin ich durch den selbst verursachten Stress bestenfalls nur erschöpfter als zuvor.

Ruft man sich die Zusammenhänge in Erinnerung, so erscheint Geduld verstanden als Gelassenheit leichter erträglich und nimmt zugleich eine Last. Die Situation wird überschaubarer.

Das Dasein und jegliche Interaktionen mit anderen Menschen sind stets ein Zusammenspiel, bei dem vieles nicht nach den eigenen Wünschen verläuft. Ansprüche sind wertvoll, jedoch sollte ich sie zunächst an mich selber richten und nicht an die anderen. Indem ich geduldig bin, verfolge ich meine Ziele beharrlich und stehe über den Dingen, die ich nicht beeinflussen kann.

 

Patience is hard to bear, but often worth it

Being asked to tell about your biggest weakness, many people will answer "impatience". Everyone knows that feeling and might forgive it more easily - but that's another story. The actual question is, why do we find it so hard to be patient and which kind of attitude goes with impatience.

No matter, where we have to be patient; waiting in the supermarket, waiting for an important letter, a feedback on our application or being stuck in traffic: Patience mostly seems to feel annoying and disrespectful against ourselves as individuals and of course, it is a waste of time.

But what, if patience is not regarded synonymous with the opposite of impatience, but rather with persistence and composure? Now the worth of patience becomes clearer.

Generally, there are two kinds of situations which require patience. First of all, I might get a benefit in the end and cannot speed up the whole process (like waiting for a feedback on my application or waiting for success in my endeavors). Furthermore, I might be caught in a situation, I cannot escape from (like traffic jam or waiting on the phone). Whereas the first one requires persistence, the latter requires composure.

I have to bear in mind that my rhythm and my priorities don't have to be the same as anyone else's. Of course, why should they? Everyone has his own goals with their own meaning to them. Taking two people and their goals together, they will hardly be congruent. If I can accept that patience becomes persistence which will lead towards my goals, it will be less stressful.

Moreover, there are always possibilities of using your precious time otherwise, once you have accepted that your are not able to interfere in your favor. With patience the waiting will move to the background and the joy of a solved problem will be even greater.

As far as laws of nature are concerned, any bother is completely pointless. Nevertheless, it is hard to control. Being stuck in traffic, I could not speed the process up, even if I am dying of impatience. What will happen instead is that I am afterwards even more tired than before - for nothing. The connection of the situation and its various relations is what makes patience - the composure-kind - easier to bear and with it, the whole situation. It becomes more manageable.

Our lives and all the interactions with others are a way of cooperating. Very often our expectations will not be met - at least not at first. Demands are important, but foremost they should be addressed to me not to others. Being patient will help me to be persistent with my goals and at the same time I will be above things, I cannot influence.

 

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