Ist Belastbarkeit etwas Gutes?

“Würden Sie sich als belastbar bezeichnen?” - Nahezu eine Standardfrage in jedem Vorstellungsgespräch und wer würde sie verneinen? Doch falls wir sie mit ‘Ja’ beantworten, sollten wir uns insgeheim befragen, ob wir belastbar sind, weil es von uns gefordert wird oder weil wir top organisiert deutlich mehr Arbeit erledigen können als der Durchschnitt?

Wie auch immer wir die Frage beantworten, führt nichts daran vorbei, dass Belastbarkeit das Wort ‘Last’ in sich trägt und damit eigentlich nichts Gutes sein kann.

Gut ist Belastbarkeit lediglich in ihrer ökonomischen Bedeutung: Ohne Klagen viel Arbeit in kurzer Zeit zu erledigen.

Klingt nach wenig Selbstbestimmung? Es kommt darauf an, wie wir diese Eigenschaft für uns nutzen. Wenn wir erkennen, dass Belastbarkeit sehr wohl etwas Positives sein kann und dass sie kein Synonym für Stress sein muss, nehmen wir ihr die besagte ‘Last’.

Ist Belastbarkeit eine Kompetenz?

Sehen wir Belastbarkeit als Kompetenz, so sind wir interessiert, alles zu tun, um unsere Belastbarkeit zu erhöhen und uns so für die Arbeitswelt attraktiver zu machen.

Bei diesem Ansatz lässt sich Belastbarkeit jedoch nur selten von Stress trennen. Mehr noch, sie wird nahezu ein Synonym für Stress. Damit bedeutet belastbarer zu werden auch stressresistenter zu werden.

Doch unser Körper lässt sich nicht immer mehr aufbürden und beliebig strapazieren. Unsere Ressourcen sind begrenzt und können nur besser genutzt und strukturiert werden. Ab einem gewissen Punkt jedoch sind sie nicht weiter ausdehnbar. Also müssen wir unsere zwangsläufig begrenzten Ressourcen wie Zeit, Energie und Kraft geschickt einsetzen. Der Ansatz liegt in unserem Bewusstsein und unserer Wahrnehmung.

Wann empfinden wir etwas nicht als Last, obwohl es objektiv anstrengend ist, viel Zeit frisst und sich nicht leicht erledigen lässt? Immer dann, wenn uns etwas Freude bereitet, wir damit ein konkretes Ziel verbinden und daher einen Sinn dahinter erkennen können.

Außerdem beschwert uns eine Sache dann weniger, wenn wir wissen, dass wir uns genügend Zeit für den Ausgleich lassen. Ausreichend Schlaf, Zeit in der Natur oder die bewusste Entscheidung für Ruhe und zum Nachdenken helfen dem Körper, uns in hektischen Zeiten zuverlässig und stark zu unterstützen.


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Auszeit nehmen durch gute Organisation

Eine gute Organisation ist grundlegend, um die zur Verfügung stehende Zeit optimal zu nutzen. Zugleich bedeutet mehr Zeit auch mehr Zeit für Ausgleich, Balance und Entspannung.

Planen wir nicht auch die Auszeit fest in unseren Tagesrhythmus ein, so überwiegt schnell die ‘Last’ und Belastbarkeit schlägt in Stress um.

Erst wenn wir das Attribut ‘Belastbarkeit’ für unser konkretes Ziel nutzen, fällt uns alles leichter. Die Zeit vergeht schneller und mit jeder vollendeten Aufgabe stellt sich Zufriedenheit ein; nicht aber der mürrische Blick darauf, wie viel immer noch vor uns liegt. Die Organisation nutzen wir dabei als Werkzeug, um das Maximum aus unserer Zeit herauszuholen, ohne in Stress zu geraten.

Sitz jeder Handgriff, so verlaufen viele Abläufe automatisch und die Zeit, die wir bei immer neuen Überlegungen verlieren, bleibt uns für unsere Auszeit.

Auszeit heißt auch die Möglichkeit zu reflektieren: Was war gut, was kann besser werden? Welche Aufgaben haben wir erledigt, wie nah sind wir unserem Ziel gekommen?

Indem wir Belastbarkeit zu unserer Eigenschaft machen und sie uns nicht als Zwang auferlegen, kommen wir der Zufriedenheit ein ganzes Stück näher - jedoch nur, wenn wir sie für uns und unser Sinn erfülltes Ziel einsetzen können.

Wie sieht es bei Euch aus? Wehrt Ihr Euch gegen Belastbarkeit, die überall gefordert wird? Oder habt Ihr Euren Weg gefunden, sie als etwas Positives zu werten?

Ich freue mich auf Eure Kommentare!