The forgotten word: Wohlgelitten

Je reicher der Wortschatz, desto präziser bin ich in der Lage, wirklich zu erfassen, was ich sagen möchte. Beschränkt sich mein Vokabular auf eine überschaubare Anzahl von Wörtern, die mir dienen sollen, völlig unterschiedliche Sachverhalte mitzuteilen, so gehen wichtige Nuancen verloren. Die Folge ist, dass meine Selbstmitteilung und damit mein eigener Ausdruck weit hinter dem zurückbleiben, was sie sein könnten.

In dieser Rubrik greife ich Wörter auf, die ihren ganz eigenen Charakter haben, jedoch immer mehr in Vergessenheit geraten. Die Auswahl entspringt meiner Wahrnehmung, doch wenn Ihr Euch fragt, wann Ihr dieses Wort das letzte Mal gehört habt - in einer Situation, in der es tatsächlich Verwendung fand -, so ist es vermutlich auch schon länger her.

Vom Duden unter gehobenem Sprachgebrauch eingeordnet ist das Wort wohlgelitten keinesfalls mehr wohlgelitten im Wortschatz der Deutschen. Selten hört man es noch bei der älteren Generation, dann aber mit einer Betonung, die die offenbare Extravaganz des Wortes hervorhebt.

Beliebt oder gern gesehen gelten laut Duden als Synonyme für wohlgelitten (https://www.duden.de/rechtschreibung/wohlgelitten), doch obwohl ein Wort wie beliebt häufig verwendet wird, hört man wohlgelitten so gut wie nie. Zerlegt man es in seine Bestandteile, so vereint es wohl = gut oder günstig und das Partizip von leiden - eine zunächst seltsam anmutende Kombination. Da man selbst schlecht "gut leiden" kann, wird wohlgelitten als Partizipialkonstruktion in einer passivischen Bedeutung verwendet und bezieht sich damit auf die Wahrnehmung einer Person durch andere.

Somit erschließt sich eine durchaus positive Bedeutung des Wortes. Dennoch beschränkt sich seine seltene Verwendung heutzutage meist auf einen eher negativen Zusammenhang. Spricht man von einer Person als "Er ist wohlgelitten", so ging der Erwähnung meist eine negative Einleitung voraus, womit wohlgelitten als Gegensatz aufgezeigt wird. "Er ist im Umgang nicht ganz einfach und möchte seine Ziele um jeden Preis durchsetzen, aber bei seinem Chef ist er wohlgelitten." Oder auch "Kein Wunder, dass er keine Probleme hat, er ist überall wohlgelitten."

Damit ist wohlgelitten eines jener Wörter, die trotz einer eigentlich positiven Bedeutung mit Beiklang verwendet werden und somit oftmals auch eine negative Konnotation enthalten.

Dieser Umstand macht das Wort zu einem Adjektiv mit höchst differenzierter Aussagekraft und sollte ihm einen regelmäßigeren Gebrauch in unserer Sprache sichern.

 

Wohlgelitten = well-liked, popular, well-received

The richer our vocabulary, the more the variety we have to express our feelings. Always using a handful of words describing completely different states of being does not only make our language poor, but also our feelings.

Consequently, my self-message and my expression altogether will be far behind the level it could reach.

In this category I will introduce German words which are special in their meaning, but rarely used and slowly forgotten. Remembering them should add to our ability of thinking why a special word is the only one to use in that particular context: because no other will describe exactly how I am feeling and what I mean.

Today I will take a look at the word wohlgelitten which means well-liked, popular or well-received. If used at all - mainly by the elder generation -, the word is used with an intonation indicating its extravagance. Consequently, the Duden is filing it with the hint 'exalted linguistic usage' (https://www.duden.de/rechtschreibung/wohlgelitten).

Although we use the word popular or well-liked quite frequently, wohlgelitten is hardly ever used. If you split it into its two parts, you will end up with wohl = good or favorable and the participle of leiden = to suffer - a rather strange combination. Therefore, it is used as a passive-like construction in order to describe peoples' perception of another person.

However, the interesting thing about wohlgelitten is that although its meaning is actually positive, people tend to use it after a rather negative introduction of someone, stating that nevertheless he is well-liked.

This shows the special character of the word and its meaning. Having a slightly negative connotation despite of a positive meaning makes up for the differentiation of the word and should account for using it more often.

 

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