The forgotten word: Frevel

Je reicher der Wortschatz, desto präziser bin ich in der Lage, wirklich zu erfassen, was ich sagen möchte. Beschränkt sich mein Vokabular auf eine überschaubare Anzahl von Wörtern, die mir dienen sollen, völlig unterschiedliche Sachverhalte mitzuteilen, so gehen wichtige Nuancen verloren. Die Folge ist, dass meine Selbstmitteilung und damit mein eigener Ausdruck weit hinter dem zurückbleiben, was sie sein könnten.

In dieser Rubrik greife ich Wörter auf, die ihren ganz eigenen Charakter haben, jedoch immer mehr in Vergessenheit geraten. Die Auswahl entspringt meiner Wahrnehmung, doch wenn Ihr Euch fragt, wann Ihr dieses Wort das letzte Mal gehört habt - in einer Situation, in der es tatsächlich Verwendung fand -, so ist es vermutlich auch schon länger her.

Heute geht es um das Wort "Frevel". Dass es sich dabei um nichts Gutes handelt, ist klar. Dennoch hat das Wort einen harmlosen Beiklang, durch den es etwas beschreibt, das man verzeihen möchte.

Der Duden schreibt dazu in seiner Bedeutungsübersicht: Verstoß gegen die göttliche oder menschliche Ordnung aus bewusster Missachtung, Auflehnung oder Übermut (https://www.duden.de/rechtschreibung/Frevel). Damit hat der "Frevel" sowohl eine religiöse als auch eine weltliche Bedeutung. Oft auch als Verbrechen bezeichnet, scheint der Frevel - bringt man ihn mit Übermut in Verbindung - zwar Bewusstheit und Absicht widerzuspiegeln, doch fehlt ihm zugleich die echte Niedertracht eines Verbrechens, wie wir es heute verstehen.

Die religiöse Bedeutung setzt ihn mit Sünde gleich, wobei der Grad der Sünde damit nicht klar ist. Der Frevler weicht ab von den allgemein gültigen Gesetzen und begeht eine Untat. Dies geschieht vermutlich eher aus Trotz oder Gründen der Provokation, als aus der Motivation etwas zutiefst Böses zu tun.

Durch seine Abgrenzung von anderen Untaten, Verbrechen und Zuwiderhandlungen erfährt der "Frevel" seine besondere Bedeutung, die damit seinen Stellenwert in der deutschen Sprache begründet; ein Frevler unterscheidet sich eben von einem Verbrecher.

Wer von Euch benutzt das Wort "Frevel" noch?

 

Frevel = iniquity, sacrilege, crime

The richer our vocabulary, the more the variety we have to express our feelings. Always using a handful of words describing completely different states of being does not only make our language poor, but also our feelings.

Consequently, my self-message and my expression altogether will be far behind the level it could reach.

In this category I will introduce German words which are special in their meaning, but rarely used and slowly forgotten. Remembering them should add to our ability of thinking why a special word is the only one to use in that particular context: because no other will describe exactly how I am feeling and what I mean.

The word "Frevel" could be translated by iniquity, sacrilege or crime. It's obvious that you use the word to describe something bad. However, it has a harmless overtone to it, which makes you feel the urge to forgive it.

Looking it up in the German dictionary Duden, it is described as a violation of the divine or human order, done consciously out of revolt or mischief (https://www.duden.de/rechtschreibung/Frevel). Therefore, "Frevel" has a religious and a profane meaning. You will often find the word in the sense of crime, but  - taking into account that mischief is involved - it is conscious and on purpose, whereas missing the evil of a real crime which is intended to cause substantial harm.

The religious context links "Frevel" with sin, although you don't know what kind of sin it might be. A person committing "Frevel" is not obeying the rules and conventions, but doing so mainly in order to provoke.

The meaning of the word becomes clear when putting it apart from crime, infringement or other misdoings. It takes its place just in between; since a "Frevler" is not an ordinary criminal.

 

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