The forgotten word: Ersprießlich

Genau zu erfassen, was wir sagen möchten, ist ohne einen reichen Wortschatz undenkbar. Fesselnde Erzähler sind stets solche, die wortreich und lebendig beschreiben und berichten können.

Beschränkt sich unser Vokabular auf eine überschaubare Anzahl von Wörtern, mit denen zwangsläufig völlig unterschiedliche Sachverhalte mitgeteilt werden müssen, so gehen wichtige Nuancen verloren.

Was leidet, ist unsere Selbstmitteilung und somit unser eigener Ausdruck.

Wörter mit ihrem eigenen Charakter, die jedoch immer mehr in Vergessenheit geraten, finden sich hier wieder. Die Auswahl entspringt meiner Wahrnehmung.

Womöglich habt aber auch Ihr das jeweilige Wort länger nicht mehr gehört?

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Erspriesslich

Gilt etwas als nutzbringend oder fruchtbar, so sprechen wir von ersprießlich. Damit fällt die Verwendung des Wortes in den Bereich der Botanik, “ein ersprießlicher Forst”, ebenso wie in den Bereich unserer Zeitverwendung oder Freizeitgestaltung.

Wünschen wir uns einen “ersprießlichen Abend”, so erhoffen wir uns Anregung, neue Gedanken und verbrachte Zeit, die als sinnvoll genutzt gelten kann.

Im Duden ist ersprießlich als gehobenes Adjektiv aufgeführt. Seine gängigen Synonyme ‘nutzbringend’ und ‘fruchtbar’ tauchen ebenfalls auf und auch dort wird erwähnt, dass der Wortgebrauch in die Kategorie ‘selten’ fällt.

Sehen wir uns die Etymologie näher an, so finden wir die Abstammung vom Wort ‘sprießen’ mit seiner Bedeutung hervorwachsen, doch auch die Wörter Sprosse, spreizen und Spreu sind nicht weit.

Es wächst also etwas; es wird etwas hervorgebracht, weiter getragen und zwar auf förderliche und wertvolle Weise.

Erleben wir eine” ersprießliche Zusammenarbeit”, so wachsen wir dadurch selbst und erfahren ein Zutun, welches wir weiter als eigene Entwicklung ausbauen können.

Das Wort beinhaltet eine Bewertung und in den meisten Fällen eine Hoffnung, die in etwa das Gegenteil des Wunsches nach bloßer Ablenkung und Unterhaltung ist.

So mag ein ersprießlicher Fernsehabend ebenso wenig passen wie ein ersprießlicher Kirmesbesuch - es geht um Austausch und Bereicherung und nicht um Unterhaltung in der Form des Sich-berieseln-lassens.

Vielleicht hat es ersprießlich deshalb so schwer, weil es einen Umstand beschreibt, der heutzutage nur noch selten gesucht wird?

Ein Gespräch könnte jedenfalls ersprießlich werden, indem mehr derartige Wörter verwendet würden.

Welche Wörter vermisst Ihr im täglichen Sprachgebrauch?


Vielleicht zählt auch dieses Wort dazu: