Eine Sache hat immer zwei Seiten

Es klingt sehr einfach, und doch ist es ein Kardinalfehler in der Kommunikation mit anderen. Die Neigung zu vergessen, welchen Blick der andere auf die Sache hat und wie er eine Situation wahrnimmt.

 Normalerweise sind wir in unserer Perspektive verhaftet - für uns die einzig verständliche Sichtweise - und übersehen dabei, dass unser Gegenüber einen anderen Blickwinkel hat, der seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt und damit die Angelegenheit ganz anders angeht.

Wie aber kann das Problem der verschiedenen Perspektiven gelöst werden? Indem ich versuche, mich in die Lage des anderen zu versetzen und seinen Blickwinkel einzunehmen, werde ich die Situation plötzlich ganz anders sehen.

Ein kurzes Beispiel: Ein Telefongespräch mit einem Freund. Er gibt sich Mühe, mir von seinem Tag zu berichten, wobei er sich zugleich auch nach mir erkundigt und damit Interesse zeigt. Ich hingegen bin schlecht gelaunt, da mein Rücken schon seit Tagen weh tut. Somit bin ich nicht in der Stimmung mich zu unterhalten, jedoch empfinde ich trotzdem Dankbarkeit für seinen Anruf und die Tatsache, dass er sich nach mir erkundigt.

Wie aber empfindet er die Situation? Er spricht nahezu die ganze Zeit und erhält kaum eine Antwort von mir. Damit ist es für ihn Schwerstarbeit, die Unterhaltung in Gang zu halten. Da er nicht wissen kann, was mein Problem ist, denn ich habe ihm nichts von meinem Rücken erzählt, fühlt er sich zurückgewiesen und beschwert sich am Ende unseres Gesprächs über mein Verhalten.

Verhaftet in meiner Perspektive, erkenne ich die Rücksichtslosigkeit meines Verhaltens nicht.

An dieser Stelle hätte ich feststellen können, was falsch gelaufen ist, dass ich nicht offen in meiner Mitteilung war und über mein Empfinden gesprochen habe. Somit verpasste ich die Möglichkeit, ihn durch offene Worte aufzuklären und in meine Sicht mit hineinzunehmen.

Stattdessen antwortete ich, dass ich mich sehr wohl über seinen Anruf gefreut hätte und er vielleicht heute etwas empfindlich reagieren würde. Natürlich sorgte ich damit nicht dafür, dass der Anruf harmonisch endete.

Erst später erkannte ich meinen Fehler und war in der Lage, diesen auch plausibel zu erklären.

Den Blickwinkel meines Gegenübers einzunehmen, beleuchtet die andere Seite einer Sache und dient dem Verständnis. Dadurch wird jedes Gespräch tiefgründiger und dient damit seinem wirklichen Zweck, sich mitzuteilen und zu verstehen.

There are always two sides to every story

It sounds very simple. However, it is a common mistake when communicating with others: Forgetting about where the other does come from or what his view on the topic is.

Usually, we tend to focus only on our view - which is obvious to us - and completely neglect that the person we are talking to has a different approach and that to him other things are the important ones.

How could the problem of different perspectives be solved? If I try to slip into the other's skin and take his view on the matter, I will see things differently.

A quick example: A phone call with a friend. He is doing his best to tell about what he has on his mind, but at the same time asking about me. I am grumpy because my back has been hurting for several days. Therefore I am not really in the mood to talk. Nevertheless, I am somehow thankful for the call and appreciate that my friend is caring about me. How does he experience the situation? He is talking almost all the time and getting hardly any response from me. Thus, it is hard work for him to keep the conversation going. Since he does not know what my problem is - I have not told him about my back - he feels rejected and starts to complain about my behavior at the end of the call. Again, I am caught into my perspective and not realizing how careless my behavior has been. This is the point where I could have understood what was going wrong and that I was not communicating openly how I am feeling and that I missed out on speaking my mind to take him in. But what I am doing instead is to explain that I was appreciating his call and that he might be a little sensitive today. Needless to say that this was not a nice end to the call.

Later I was able to realize my mistake and explaining it in a proper way.

Taking the other's perspective illuminates the other side to the story and helps understanding. Every conversation will turn out more thoughtful and thus will be serving its original purpose: to share and to understand.

 

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